Huch! Ein Biber!

Und plötzlich sind sie da: Biberspuren. Gestern war da aber noch kein Biber! Oder doch? Lange bevor der Spaziergänger die typischen Biberspuren, wie z.B. einen sanduhrartig angenagten Baum entdeckt sind die Biber schon zu Gange. Still und heimlich erobern sie unsere Gewässer. Hier in diesem Blog will ich dir in den nächsten Wochen zeigen, was es alles für Spuren gibt, die dir zeigen, dass da ein oder vielleicht sogar mehrere Biber gibt

Gerne kommt dann von Bibergegnern das Wort „Kofferraum-Biber“ ins Spiel. Was es auf sich mit diesem Wort auf sich hat, lest ihr ganz unten.

Ja, aber jetzt sag, wo kommen die Biber in Baden-Württemberg eigentlich her? Sind sie aus einem Zoo entflohen?

Vor bald 200 Jahren wurden die Biber bei uns in Europa flächenhaft ausgerottet (auch dafür gibt es einen extra Blog-Beitrag). Der letzte Biber in Baden-Württemberg wurde 1830 am Rhein erlegt, an der Iller im Mündungsgebiet vier Jahre später. In dieser Zeit hat der Mensch nicht nur mit dem Biber, sondern mit vielen anderen Wildtieren, wie Luchs, Wolf und Bär verlernt zu leben. Biber wurden bei uns ab den 1960ern unter Schutz gestellt. Zu dieser Zeit wurden die ersten Biber in Bayern wiederangesiedelt. Es handelte sich dabei um 120 Tiere, die aus Skandinavien, Polen, Russland und Frankreich kamen, wo es noch Restpopulationen gab. An Donau und Inn haben sich dann starke, ausbreitende Populationen gebildet. Von dort wanderten dann nach und nach Biber in andere Bundesländer ab. Die ersten bayerischen Biber tauchten dann an den Grenzen zu Bayern auf, wie z. B. an der Donau und an der Tauber.

Aber auch aus anderen Gebieten, wie vom Elsass aus an den Hochrhein und aus der Schweiz an den Oberrhein wanderten Biber nach Ba-Wü ein. Dabei handelte es sich dabei Biber der Unterart Rhonebiber (Castor fiber galliae). Der europäische Biber hat bis zu 8 beschriebene Unterarten, wie z.B. den Skandinavischen Biber, den Elbebiber und den Rhonebiber.

In Amerika gibt es noch den Kanadischen Biber, der eindeutig eine andere Art ist. Europäischer (48 Chromosomen) und Kanadischer Biber (40 Chromosomen) sind sich im Aussehen und in der Lebensweise sehr ähnlich, können sich aber nicht kreuzen. Es gibt also keine Mischlinge, wie leider oft immer mal wieder behauptet wird, um die Jagd auf einen Biber zu ermöglichen.

Auch leben bei uns in freier Wildbahn keine Kanadischen Biber, sondern nur in Zoos, wie z.B. im Wildtierpark Bad Mergentheim oder in der Wilhelma.

Also, wenn bei dir ein Biber aufkreuzt, obwohl es weit und breit keine Biber gibt, dann ist dieser Biber dahin selbständig abgewandert um neue, biberfreie Bereiche zu erobern. Biber können wie alle anderen Säugetierarten auch lange Wanderungen machen. Dokumentiert wurden sogar schon Wanderungen von einzelnen Bibern über 200 bis 500 km. Ein Schweizer Biber hat innerhalb von einem Monat 96 km zurückgelegt. Die durchschnittliche Entfernung von einem abgewanderten Jungbiber liegen zwischen 5 und 25 km. Die meisten Biber wandern flussauf oder -abwärts, manche auch mal einige Kilometer über Land.

Und was ist nun mit dem Kofferraum-Biber? Gerne wird von Bibergegner behauptet, dass Biber von Bayern nach Baden-Württemberg mit dem Auto transportiert worden wären, wenn plötzlich in einer vorher biberfreien Gegend ein Biber auftaucht. Und man dann von einem „ausgesetzten“ Biber ausgehen könnte. Hintergrund: in Bayern bekommen Geschädigte ihre Schäden (teil-)erstattet weil die Regierung von Bayern Biber aktiv ausgesetzt hat und das Land somit in der Schuld ist. In BaWü gibt es keine Entschädigungen, weil die Biber von alleine ins Land eingewandert sind. Man erhofft sich dann natürlich eine Erstattung der Kosten. Traurig daran ist nur, dass so Fake-News verbreitet werden und dass man Tieren nicht zutraut, dass sie von alleine lange Strecken wandern können.

So, das wärs jetzt erst mal. Im nächsten Beitrag geht es um die Geschichte der Biber, die vor 15 Mio Jahren entstand.